Glasfritte und Fayencen

Alle bisher auf dem Tall gefundenen Rollsiegel (38) und Skarabäen (10) sowie eine Auswahl von Fayencen wurden auf ihre mineralogische und teilweise auch chemische Zusammensetzung hin untersucht. Die Mehrzahl der Rollsiegel besteht aus Glasfritte (im wesentlichen SiO2), und viele von ihnen weisen einen mehr oder weniger gut zu erkennenden grünen oder blauen (Fayence-)Überzug auf. Von ganz besonderem Interesse sind ein Rohling (nicht graviertes Siegel, TZ 11778) aus Glasfritte sowie ein nur halbseitig und äußerst dilettantisch verarbeitetes Rollsiegel aus einem SiO2-haltigem Kalzit (TZ 12357). Diese beiden Funde sowie die große Anzahl an einem Ort gefundener und aus relativ leicht zugänglichem Material (Glasfritte) bestehender Siegel sprechen dafür, dass sie gegebenenfalls lokal hergestellt wurden. (Weiterführende archäometrische Untersuchungen erfolgen seit Anfang 2010 durch C. Pogoda, Deutsches Bergbaumuseum Bochum).

Von den Skarabäen bestehen acht aus Glasfritte, dem gleichen Material wie der größte Teil der Rollsiegel und zwei aus dem Mineral Enstatit (MgSiO3). Aus den Materialuntersuchungen ergibt sich, dass einige der Skarabäen durchaus auch lokaler Herkunft sein können.

Die Analyse verschiedener Fayence-Artefakte, etwa des Siegelrings TZ 14648, ergab, dass der Kern dieser Objekte meistenteils aus Glasfritte oder aus Tonmaterial (Keramik) hergestellt wurde.

Fundnr. Ansprache Material SiO2 Al2O3 MgO CaO K2O Fe2O3
TZ 10334 Rollsiegel Fritte 97,1 0,5 < 0,1 0,6 0,1 0,1
TZ 11778 Rohling Fritte 94,8 2,3   - 0,6 0,2 0,3
TZ 12203 Skarabäus Fritte 96,1 1,8   - 0,6 0,1 < 0,1
TZ 14648 Fayencering (Fritte?) 84,1 7,8   - 4,2 0,7 0,3
TZ 12357 Rollsiegel Kalzit 51,8 11,4   - 20,0 0,2 0,1
TZ 15313 Skarabäus ‚Steatit’ 69,0 5,6 19,4 1,5 0,3 3,0

Tabelle: Chemische Zusammensetzung Rollsiegel, Skarabäen und Fayence

Rollsiegel (Auswahl)
  Rollsiegel (Auswahl)